Hammerbachers Gedanken über Liebermann Villa 1972

Max Liebermann könnte den Atem Gottes bei der Gestaltung und dem Erleben seines Gartens gespürt haben, vermutete Hammerbacher - Aber von welchem Gott denn?

In ihrer Abhandlung "Die Hausgärten", veröffentlicht 1972 in Berlin und seine Bauten Bd. C, ordnete Herta Hammerbacher den Liebermann Garten am Großen Wannsee, Berlin zu den Architekturgarten. Interessant ist, dass sie dabei den Nutz- und Blumengarten vor dem Haus völlig ignoriert. Auf dem Lageplan hat sie diesen Teil einfach weggelassen. Sie fand auch kein einziges Wort dafür. Es lag wohl an der damaligen Zeitgeist, dass Nutz- und Blumengärten nicht zu dem Gartenkonzept gehörten. 

Der wasserseitige Garten der Liebermann Villa
in Berlin-Wannsee. © Jeonghi Go

Für sie zählte nur der wasserseitige Garten. Sie schrieb, "Zwei in den Höhen gestufte Terrassen, als Blumengärten ausgebildet und in einem Gemälde festgehalten, sind die gärtnerische und architektonische Fassung des Hauses. Den Hauptanteil der Flächen hat jedoch die große Rasenfläche, welche zum Wannsee sanft abfällt und von locker gestellten Birkengruppen gerahmt und gegliedert wird. Es ist deutlich erkennbar: Hauptanliegen und Hauptgedanke bei der Gestaltung des Gartens war es, diesen Landschaftsraum mit Blick auf den See zu öffnen. (Hammerbacher 1972 : 310)

Sie ging auf die Formsprache des Gartens nicht weiter ein, erklärte auch nicht, warum sie diesen Garten zu den Architekturgarten zugeordnet hat. Stattdessen  macht sie hier einen Sprung in die Philosophische. Das ist schon typisch für Herta Hammerbacher. Sie zitierte Liebermanns Spruch, "nur wer den Atem Gottes in der Natur spürt, wird in Wirklichkeit lebendig gestalten können". Sie  interpretierte diesen Spruch als "eine schöne Vertiefung der Weltanschauung in den beiden letzten Jahrzehnten" und spürte, dass  "etwa Religiöses" am Durchbrechen sei. (ebd.) 

Hatte Liebermann beim Gestalten des Gartens vom Atem Gottes leiten lassen? Hatte er in seinem Garten den Atem Gottes erlebt? Hammerbacher sagte ja. Oder sie vermutete, dass es so gewesen sein könnte. Aber von welchem Gott denn? (JHG)

Garten Max Liebermann, Colomierstraße 3 Ecke Am Großen Wannsee 42 (Wannsee), 1909-1910. Gartenplan M 1:1000.  (Hammbacher 1972: 311)


Literatur:

  • Hammerbacher, Herta (1972): Die Hausgärten. In: E. Heinrich, F. Mielke, D. R. Frank, D. Rentschler, Klaus Konrad Weber, W. Schirmer et al. (Hg.): Berlin und seine Bauten. Die Wohngebäude. Einfamilienhäuser. Individuell geplante Einfamilienhäuser. Die Hausgärten, C. Berlin: Ernst & Sohn, S. 308-311

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